QRS-Achse und EKG-Lagetypen

Als elektrischer Herzachse (QRS-Achse) spiegelt die Hauptrichtung der Erregungsausbreitung (Richtung des Hauptsummationsvektors) in den Kammern in der Frontalebene wieder. Sie hängt u. a. von der Richtung der Erregungsausbreitung, der Muskelmasse der Ventrikel und der Thoraxkonfiguration ab. Im deutschen Sprachraum wird zur Beschreibung der QRS-Achse meistens der Begriff Lagetyp verwendet.

Der im Deutschen verwendete Begriff Lagetyp impliziert einen engen Zusammenhang zwischen der elektrischen QRS-Achse und der anatomischen Lage des Herzens, der nicht gegeben ist. Die Bezeichnung QRS-Achse mit Angabe in Grad sollte im EKG-Befund vorgezogen werden.

QRS-Achsen

Das amerikanische System der QRS-Achseneinteilung ist einfacher (und damit auch leichter erlernbar) als das umfangreichere deutsche System, das weiter unten besprochen wird. Bestimmt wird die Hauptrichtung der Erregungsausbreitung in der Frontalebene (Drehung um die Sagittalachse). 

Abb.: Die Bestimmung der elektrischen QRS-Achse (= Hauptrichtung der Erregungsausbreitung, roter Pfeil) erfolgt in den Extremitätenableitungen (Frontalebene, hexaaxiales System der Ableitungen). Sie kann anhand der Amplituden R-Amplituden in den einzelnen Ableitungen abgeschätzt (siehe Tabelle unten) oder graphisch relativ exakt (mit Winkelmessung) ermittelt werden. Bezüglich des letzteren Verfahrens sei auf einschlägige EKG-Literatur verwiesen.  Die Winkeleinteilung basiert auf einer Konvention.

 

Im Praxisalltag reicht eine Abschätzung der QRS-Achse (Blickdiagnose). Moderne EKG-Geräte berechnen sie ganz genau und geben sie im Befund aus. 

Es gibt eine normale Achse (-30° bis 90°), eine Achsenabweichung nach links (-30° bis -90°) und eine Achsenabweichung nach rechts (90° bis 180°). Der Bereich von -90° bis +/-180° wird als Nord-West-Achse ("no man´s land") bezeichnet. Die nachfolgende Tabelle führt mögliche Ursachen für Abweichungen der elektrischen QRS-Achse auf. Die Tabelle weiter unten zeigt für die einzelnen Achsenbereiche typische QRS-Konfigurationen. Es orientiert sich an der Ausschlagrichtung der R-Zacke und ist leicht zu merken. Die QRS-Achse Grad wird von den meisten Geräten im Befund angegeben.  

Tab.: Einteilung der elektrischen QRS-Achsen und Vorkommen. Die Einteilung ist so, wie sie in anglo-amerikanischen Ländern bevorzugt wird. 

Bezeichnung QRS-Winkel (Extremitätenableitungen) Vorkommen
Normale Achse −30° bis  90° normal bei Erwachsenen
Achsenabweichung nach rechts 90° bis 180° normal bei Kindern und schlanken Erwachsenen, chronische Lungenerkrankungen, anterolateraler Myokardinfarkt, WPW-Syndrom mit linksgelegener akzessorischer Bahn, Vorhof- und Kammer-Septumdefekte

Achsenabweichung nach links

-30° bis -180°

Linksanteriorer Faszikelblock, Emphysem, Hpyerkaliämie, WPW-Syndrom mit rechtsgelegener akzessorischer Bahn, Ostium-Primum-Defekt 

Nord-West-Achse (no man´s land)

-180° bis -90°

Kammertachykardien, Emphysem, Hyperkaliämie, Vertauschung von Ableitungen, Schrittmacherstimulation

 

Tab.: Schema, das die für die einzelnen Achsenbereiche typischen QRS-Konfigurationen aufführt. Wenn die elektrische Herzachse in der Sagittalebene nach dorsal abweicht (in der Tabelle ganz rechts, SISIISIII-Typ), macht eine Bestimmung der QRS-Achse in der Frontalebene (Extremitätenableitungen) keinen Sinn. 

EKG QRS Achse

EKG-Lagetypen

Anders als im angloamerikanischen Sprachraum wird hierzulande im Zusammenhang mit der elektrischen QRS-Achse von Lagetypen gesprochen. Wie bereits erwähnt, ist aber die Annahme, dass die elektrischen Herzachse und die anatomische Achse des Herzens übereinstimmen ist, nicht richtig (siehe Achsenrotation).

In deutschen EKG-Lehrbüchern wird der möglichst exakten Bestimmung des Lagetyps (Konstruktion des QRS-Hauptvektors unter Zuhilfenahme des Cabrera-Kreises) relativ viel Aufmerksamkeit gewidmet. Man sollte das Vorgehen verstanden habe, anwenden wird man es in der Regel im Alltag nicht. Wie bereits diskutiert, ist bei der Interpretation des "Lagetyps" Vorsicht geboten. 

Lagetyp QRS-Winkel (Extremitätenableitungen) Vorkommen
Überdrehter Linkstyp -150° bis -30° Linksherzbelastung, Linksanteriorer Hemiblock, Vorderwandinfarkt
Linkstyp -30° bis 30° Erwachsene über 40, Adipositas, Zwerchfellhochstand, Linksventrikuläre Hypertrophie, Schwangere

Horizontaltyp

 

0° bis 30°

Linksherzhypertrophie 

Indifferenztyp

30° bis 60°

Normallage beim Erwachsenen, bei Säuglingen pathologisch

Steiltyp

60° bis 90°

Kinder und schlanke Jugendliche, evtl. Hinweis auf Rechtsherzbelastung

Rechtstyp 90° bis 120° Physiologisch im Säuglings- und Kindesalter, v.a. RV-Hypertrophie oder linksposteriorer Hemiblock
Überdrehter Rechtstyp 120° bis 210° (=-150°)

immer pathologisch, Hinweis auf Rechtsherzbelastung (Rechtherzhypertrophie) oder linksposterioren Hemiblock, großer Lateralinfarkt

Tab.: Einteilung der elektrischen QRS-Achsen nach so genannten Lagetypen und Interpretationsansätze, wie sie im deutschsprachigen Raum üblich sind. Die Einteilung ist etwas ausführlicher als die nach QRS-Achsen, wie sie im angloamerikanischen Sprachraum üblich ist.

Literatur