Endokarditis

Bei der Endokarditis handelt es sich um eine Entzündung der Herzinnenhaut (Endokard). Sie ist meistens bakteriell bedingt. In erster Linie sind vorgeschädigte Herzklappen und körperfremde Strukturen (z. B. künstliche Herzklappen und implantierte Aggregate betroffen; bei Befall letzterer wird allerdings eher von einer Endoplastitis gesprochen) betroffen. Das diagnostische Verfahren der Wahl ist die transösophageale Echokardiographie, die dem Nachweis von dem Endokard aufsitzenden infektiösen Vegetationen gilt. Es resultiert eine progressive Klappendestruktion; mehrere Herzklappen können gleichzeitig betroffen sein. Eine typische Komplikation sind Thromboembolien, die die Gefäße des Gehirns oder auch die Koronargefäße betreffen. Bei Ausbreitung der Infektion können Abszesse, z. B. im Bereich des Klappenrings, resultieren. 

EKG

Es gibt keine Endokarditis-spezifischen EKG-Veränderungen. Viele Endokarditiden laufen ohne jede EKG-Veränderung ab. Sind welche vorhanden, bestanden sie bereits zuvor oder sie spiegeln neu aufgetretene Komplikationen der Endokarditis wieder. Es finden sich in erster Linie

  • unspezifische ST-Strecken und T-Wellenveränderungen
  • atrioventrikuläre Leitungsstörungen, bis hin zu einem AB-Block  III. Grades und selten auch 
  • Faszikel- und Schenkelblockierungen.

Die Erregungsrückbildungen sind nicht selten vorbestehend, sie können aber in Zusammenhang mit einer schweren Klappenfunktionsstörung auch neu auftreten. Bei einem thromboembolischen Koronargefäßverschluss kann das Bild eines akuten ST-Hebungsinfarktes resultieren.  

Neu auftretende höhergradige Leitungsstörungen (insbesondere ein AV-Block III. Grades) können eine Ausdehnung der Endokarditis auf Strukturen jenseits der Klappe hinwiesen, z. B. auf einen septalen Abszeß! Dies geht mit einer Verschlechterung der Prognose einher und stellt in der Regel eine Indikation zur Operation dar. 

Arrhythmien

Endokarditis-assoziierte höhergradige Erregungsleitungsströungen können zu Bradykardien führen, die ggf. einer temporären Elektrostimulation bedürfen. Bei schweren Krankheitsbildern können sekundär diverse Arrhythmien auftreten (Vorhofflimmern, Extrasystolen bis hin zu lebensbedrohlichen ventrikuären Tachyarrhythmien). 

Diagnostische Wertigkeit des EKGs und Differenzialdiagnosen

Bei akut auftretenden ST-Streckenveränderungen muss differenzialdiagnostisch an ein akutes Koronarsyndrom oder auch eine Myokarditis gedacht werden. 

Literatur (frei zugänglich im Internet)