Ranolazin

Ranolazin ist ein antianginöser Wirkstoff, der vor allem durch die Hemmung des späten Natriumeinstroms (late INa) im Myokard wirkt und dadurch intrazelluläre Natrium- und Kalziumüberladung reduziert. Dies trägt zur Verbesserung der elektrischen Stabilität und zur Verringerung ischämiebedingter Belastung bei, ohne Herzfrequenz oder Blutdruck signifikant zu senken. Gleichzeitig blockiert Ranolazin den schnellen verzögerten Kaliumstrom (IKr), was eine moderate, dosisabhängige Verlängerung des QT-Intervalls erklärt. (PMC)

EKG-Effekte

Unter Ranolazin zeigt das Oberflächen-EKG typischerweise eine moderat verlängerte QTc-Zeit, während Herzfrequenz, PQ-Zeit und QRS-Dauer in der Regel nicht klinisch relevant beeinflusst werden. Die QT-Verlängerung korreliert mit der Plasmakonzentration und spiegelt die Verlängerung der ventrikulären Repolarisation wider, ohne konsistent erhöhte Inzidenz schwerer ventrikulärer Arrhythmien in den Studien.

Arrhythmien

Hinweise aus präklinischen und klinischen Analysen zeigen, dass Ranolazin antiarrhythmische Eigenschaften besitzt, vor allem durch Hemmung des späten Natriumeinstroms und sekundär des IKr, was in experimentellen Modellen und einigen klinischen Settings mit einer Reduktion supraventrikulärer und ventrikulärer Arrhythmien assoziiert wird. In der MERLIN-TIMI-36-Studie fanden sich unter Ranolazin weniger arrhythmische Ereignisse im kontinuierlichen EKG-Monitoring als unter Placebo. Allerdings ist Ranolazin nicht formal als antiarrhythmisches Medikament zugelassen, und proarrhythmische Effekte wie Torsade-de-pointes-Arrhythmien sind selten beobachtet worden, aber klinisch berücksichtigt werden müssen. 

Niereninsuffizienz

Bei eingeschränkter Nierenfunktion kann es zu erhöhten Ranolazin-Plasmaspiegeln kommen, was wiederum mit einer verstärkten QT-Verlängerung einhergehen kann. In schweren Fällen gilt Ranolazin als kontraindiziert. Bei leichter bis moderater Niereninsuffizienz ist die Anwendung nur mit klinischer und elektrokardiographischer Überwachung empfohlen, besonders wenn weitere QT-verlängernde Faktoren vorliegen. 

Interaktionspotenzial

Ranolazin wird überwiegend über CYP3A und CYP2D6 metabolisiert und ist Substrat von P-Glykoprotein. Starke CYP3A-Inhibitoren (z. B. Ketoconazol, Itraconazol) können die Ranolazin-Konzentration stark erhöhen und sind kontraindiziert, moderate CYP3A-Inhibitoren erfordern Dosisanpassungen, und CYP3A-Induktoren können die Wirksamkeit verringern. Darüber hinaus kann Ranolazin die Spiegel anderer Medikamente erhöhen, insbesondere solcher mit engem therapeutischem Fenster, was eine sorgfältige Interaktionsprüfung vor und während der Therapie erforderlich macht. 

Literatur

  • Chaitman BR et al. Ranolazine for chronic angina and inhibition of late INa. J Am Coll Cardiol. 2006;47(4): (DOI etwa https://doi.org/10.1016/j.jacc.2005.09.056
  • Morrow DA et al. Effects of ranolazine on recurrent cardiovascular events in patients with non–ST-elevation ACS (MERLIN-TIMI-36). JAMA. 2007;297(16):1775-1783. 
  • Gupta T et al. Antiarrhythmic properties of ranolazine: review of preclinical and clinical data. J Cardiovasc Pharmacol Ther. 2015;20(1): 
  • Rayner-Hartley E et al. Ranolazine: a contemporary review. J Am Heart Assoc. 2016;5(3):e003196.