Sotalol

In Kürze

Sotalol ist ein Klasse III-Antiarrhythmikum, was bedeutet, dass es zu einer bedeutsamen QT/QTc-Verlängerung kommt. Das Risiko für neu auftretende Arrhythmien vom Typ der Torsade de pointes ist bedeutsam. Darüber hinaus ist Sotalol ein nicht-selektiver Betablocker (Klasse II-Wirkung). 

Arzneimittelklasse

Sotalol gehört zur Gruppe der Antiarrhythmika. Pharmakologisch wird es hauptsächlich der Klasse III der Vaughan-Williams-Klassifikation zugeordnet, da es durch Blockade von Kaliumkanälen die kardiale Repolarisation verlängert. Zusätzlich besitzt Sotalol nicht-selektive Betablocker-Eigenschaften (Klasse II).

QT/QTc-Intervall

Sotalol bewirkt eine dosis- und konzentrationsabhängige Verlängerung des QT- bzw. QTc-Intervalls, da die Substanz den schnellen Anteil des verzögerten rectifier-Kaliumstroms (IKr) blockiert und dadurch die ventrikuläre Repolarisation verlängert. Die Verlängerung des Aktionspotenzials führt elektrokardiographisch zu einer messbaren Zunahme der QT-Zeit. Dieser Effekt stellt den zentralen elektrophysiologischen Wirkmechanismus der Klasse-III-Antiarrhythmika dar.

Andere EKG-Effekte

Die Herzfrequenz nimmt aufgrund der beta-sympatholytischen Wirkung von Sotalol ab, wodurch sich die Dauer des RR-Intervalls im EKG verlängert. Dieser Effekt beruht auf der Blockade β-adrenerger Rezeptoren und führt zu einer Verlangsamung der spontanen Depolarisation im Sinusknoten. In der Folge sinkt die Sinusfrequenz, was elektrokardiographisch als Verlängerung des RR-Abstands sichtbar wird.

Arrhythmien

Durch die ausgeprägte Verlängerung der ventrikulären Repolarisation besteht unter Sotalol ein signifikantes Risiko für das Auftreten von Torsade-de-pointes-Tachykardien. Dieses Risiko ist dosis- und konzentrationsabhängig und nimmt mit zunehmender QT/QTc-Verlängerung deutlich zu. Besonders gefährdet sind Patienten mit Bradykardie, Elektrolytstörungen (insbesondere Hypokaliämie oder Hypomagnesiämie), eingeschränkter Nierenfunktion oder bei gleichzeitiger Einnahme anderer QT-verlängernder Medikamente. Daher wird insbesondere zu Beginn der Therapie und nach Dosisanpassungen eine sorgfältige EKG-Überwachung empfohlen.

Niereninsuffizienz

Da Sotalol überwiegend unverändert renal eliminiert wird, kann es bei Niereninsuffizienz zu einer Akkumulation der Substanz kommen. Dadurch steigen die Plasmakonzentrationen, was die QT/QTc-Verlängerung verstärken und das Risiko für Torsade-de-pointes-Tachykardien erhöhen kann. Aus diesem Grund muss bei eingeschränkter Nierenfunktion eine Dosisanpassung entsprechend der Kreatinin-Clearance erfolgen, und eine regelmäßige Kontrolle von EKG und Nierenfunktion ist empfohlen.

Interaktionspotenzial

Sotalol besitzt ein relevantes Interaktionspotenzial. Besonders kritisch ist die gleichzeitige Anwendung mit anderen Medikamenten, die ebenfalls das QT/QTc-Intervall verlängern, da sich dadurch das Risiko für Torsade-de-pointes-Tachykardien deutlich erhöhen kann.

Darüber hinaus können Arzneimittel, die Elektrolytstörungen verursachen – insbesondere Hypokaliämie oder Hypomagnesiämie (z. B. bestimmte Diuretika) – die proarrhythmische Wirkung von Sotalol verstärken.

Auch die Kombination mit anderen frequenzsenkenden oder AV-leitungsverzögernden Substanzen, wie Betablockern, Verapamil oder Diltiazem, kann zu einer ausgeprägten Bradykardie oder AV-Blockierungen führen. Daher sollte bei solchen Kombinationen eine sorgfältige klinische und EKG-Überwachung erfolgen.

 

Literatur

  • Haverkamp W. Clinical aspects of ventricular arrhythmias associated with QT prolongation. European Heart Journal Supplements. 2001;3(Suppl K):K81–K88.

  • Haverkamp W, Breithardt G, Shah RR, et al. The potential for QT prolongation and proarrhythmia by non-antiarrhythmic drugs – report on a Policy Conference of the European Society of Cardiology. Cardiovascular Research. 2000;47:219–233.