Elektrische Achsen

Als elektrische Achsen werden die hauptsächlichen Richtungen (Hauptsummationsvektoren) der der Vorhof- und Kammererregung (P-Achse bzw. QRS-Achse) und der Erregungsrückbildung (T-Welle, T-Achse) bezeichnet. Die Angabe erfolgt in Grad (siehe triaxiales System).  Die P-Achse hat keien wesentliche klinische Bedeutung, obwohl sie auf dem Ausdruck moderner EKG-gerät eerscheint.

QRS-Achse

Als elektrischer Herzachse (QRS-Achse), die sich aus der Ausrichtung der R-Zacken in den Extremitätenableitungen ergibt,  wird die Hauptrichtung der Erregungsausbreitung (Richtung des Hauptsummationsvektors) in den Kammern in der Frontalebene bezeichnet (siehe Elektrokardiologische Grundlagen). Grundlagen). Die Hauptrichtung der Erregungsrückbildung ist die T-Wellen-Achse. Beide Achsen stimmen unter normalen Bedingungen weitgehend überein. Markanten Abweichungen der T-Wellen-Achse von der QRS-Achse kommt prognostische Bedeutung zu. Sie finden sich z. B. bei ventrikulärer Hypertrophie und Kardiomyopathien.  

Auch die Hauptrichtung der Erregungsausbreitung in den Vorhöfen lässt sich bestimmen. Sie hat aber keine wesentliche klinische Relevanz. Die QRS-Achse und die P-Achse stimmen bei Gesunden oft weitgehend überein. 

Das amerikanische System der QRS-Achseneinteilung ist einfacher (und auch leichter erlernbar) als das deutsche System, das weiter unten besprochen wird. Es gibt eine normale Achse (-30° bis 90°), eine Achsenabweichung nach links (-30° bis -180°) und eine Achsenabweichungen nach rechts (90° bis 180°). Der Bereich von -30° bis -180° wird als Nord-West-Achse ("no man´s land") bezeichnet. Dei nachfolgende Tabelle führt mögliche Ursachen für Abweichungen der elektrischen QRS-Achse auf. Wesentliche Aspekte, die die elektrische Achse von QRS beeinflussen sind eine Hypertrophie der Kammern, akute und durchgemachte Myokardinfarkte und intraventrikuläre Leitungsstörungen. Das Lebensalter und der Habitus spielen ebenfalls eine Rolle. 

Tab.: Einteilung der elektrischen QRS-Achsen und Vorkommen.

Bezeichnung QRS-Winkel (Extremitätenableitungen) Vorkommen
 Normale Achse −30° bis  90°  normal bei Erwachsenen
Achsenabweichung nach rechts 90° bis 180° normal bei Kindern und schlanken Erwachsenen, chronische Lungenerkrankungen, anterolateraler Myokardinfarkt, WPW-Syndrom mit linksgelegener akzessorischer Bahn, Vorhof- und Kammer-Septumdefekte

Achsenabweichung nach links

-30° bis -180°

Linksanteriorer Faszikelblock, Emphysem, Hpyxerkaliämie, WPW-Syndrom mit rechtsgelegener akzessorischer Bahn, Ostium-Primum-Defekt 

Nord-West-Achse (no man´s land)

-180° bis -90°

Kammertachykardien, Emphysem, Hyperkaliämie, Vertauschung von Ableitungen, Schrittmacherstimulation

 

Lagetypen

Anders als im angloamerikanischen Sprachraum wird hierzulande im Zusammenhang mit der elektrischen QRS-Achse auch vom Lagetyp gesprochen und von einer weitgehenden Übereinstimmung der elektrischen Herzachse mit der anatomischen Lage des Herzens ausgegangen. Dies trifft aber in vielen Fällen bzw. Situation nicht zu.

Moderne EKG-Geräte berechnen die elektrische Herzachse und geben sie auf dem EKG-Aufdruck an. Die genaue Bestimmung der exakten elektrischen QRS-Achse durch EKG-Auswerter ist aufwendig. In deutschen EKG-Lehrbüchern wird ihr oft relativ viel Aufmerksamkeit und Raum gewidmet. Für den Neuanfänger im Bereich der Elektrokardiographie ist das Erlernen der Bestimmung mit viel Aufwand verbunden und nicht selten auch mit Frustration assoziiert. Eine Rechtfertigung für so viel Mühe gibt es nicht. Im Alltag reicht ein Abschätzen der elektrischen Herzachse durch einen Blick auf die Extremitätenableitungen nach Einthoven führt ein einfaches Schema auf. Es basiert auf der Hauptausschlagrichtung der R-Zacke in den Ableitungen I, II und III.

Tab.: Einteilung der elektrischen QRS-Achsen und Vorkommen.

Lagetyp QRS-Winkel (Extremitätenableitungen) Vorkommen
Überdrehter Linkslagetyp -150° bis -30° Linksherzbelastung, Linksanteriorer Hemiblock, Vorderwandinfarkt
Linkslagetyps -30° bis 30° Erwachsene über 40, Adipositas, Zwerchfellhochstand, Linksventrikuläre Hypertrophie, Schwangere

Horizontallagetyp

 

0° bis 30°

Linksherzhypertrophie 

Indifferenzlagetyp

30° bis 60°

 Normallage beim Erwachsenen, bei Säuglingen pathologisch

Steillagetyp

60° bis 90°

Kinder und schlanke Jugendliche, evtl. Hinweis auf Rechtsherzbelastung

Rechtslagetyp 90° bis 120° Physiologisch im Säuglings- und Kindesalter, V.a. RV-Hypertrophie oder linksposterioren Hemiblock
Überdrehter Rechtslagetyp 120° bis 210° (=-150°)

immer pathologisch, Hinweis auf Rechtsherzbelastung (Rechtherzhypertrophie) oder linksposterioren Hemiblock, großer Lateralinfarkt

Sagittaltyp

Beim Sagittaltyp dreht sich die Herzachse aus der Frontalebene heraus. Dabei nivellieren sich die QRS-Komplexe (Nettofläche) in den Extremitätenableitungen auf die isoelektrische Linie, wenn die QRS-Achse die 90° bezüglich der Frontalebene anstrebt (Teilvektoren in den Ableitungen senkrecht zu einer Achse sind 0). Eine normale Frontalebenen-Lagetypbestimmung wie oben geschildert ist dann nicht mehr möglich. In den BWA findet man einen langsamen R-Zuwachs mit relativ großen S-Zacken bis V6. Häufig mit Rechtsschenkelblock assoziiert.

 

 

Es gibt verschiedenen Typen des Sagittaltyps:

 

 

1. Drehung um die Transversalachse:

  • QI,II,III-Typ (Uhrzeigersinn)
  • SI,II,III-Typ (gg. Uhrzeigersinn): Rechtsherzbelastung

2. Drehung um die Längsachse:

 

  • SIQIII-Typ (Uhrzeigersinn): Rechtsherzbelastung
  • QISIII-Typ (gg. Uhrzeigersinn)

T-Achse

Die Achsenbestimmung der T-Welle bekommt dann eine klinische Bedeutung, wenn der Winkelunterschieds zur QRS-Achse, die sogenannte QRS-T-Achsendivergenz, berechnet wird. Normalerweise ist die Divergenz gering, d. h. die Achsen von QRS und T stimmen nahezu überein. Von einer pathologischen Divergenz, die auch prognostsiche Bedeutung aufweist, wird ausggegangen, wenn der Winkel > 90 Grad ist.

Weiterführende Literatur (frei zugänglich im Internet)

Inhalt     Normales EKG:     Herzfrequenz     Rhythmus     P-Welle     PQ-Intervall     QRS-Komplex     J-Punkt     ST-Strecke     QT-Intervall     U-Welle     Elektrische Achsen